Der Löwe, zwei Launen
Dieselbe Kreatur, zwei Gemütslagen.
Wir hätten nur einen Löwen entwerfen können. Wir haben zwei daraus gemacht. Der eine brüllt, der andere schläft. Es ist dasselbe Tier, und doch alles andere als dasselbe Objekt. Zwischen beiden geht es nicht um Geschmack, sondern um Absicht: was Sie von Ihrem Möbelstück ausstrahlen lassen möchten, und an welcher Stelle.
Eine uralte Figur, zwei Stimmungen
Der Löwe ist wohl die älteste Machtfigur des dekorativen Repertoires. Man findet ihn auf Türklopfern, Brunnenmaskarons, Familienwappen, Grabskulpturen, immer dort, wo der Blick zuerst hinfällt. Er ist eine skulpturale Figur par excellence: ein Motiv, das eine Oberfläche nicht schmückt, sondern bewohnt. Es blieb nur noch zu entscheiden, welchen der beiden Löwen man wollte. Statt eine Wahl zu treffen, haben wir beide Seiten des Tieres bewahrt.
Der Brüllende Löwe: Kraft in Aktion
Der Brüllende Löwe hat Format. Mähne aufgerichtet, Maul geöffnet, volle Präsenz. Auf einer Front platziert, die zählt, behauptet er sich, nimmt er Raum ein, verleiht er einem Möbelstück Charakter, das danach verlangte. Es ist ein Möbelgriff, den Sie wählen, wenn Ihr Möbelstück etwas zu sagen haben soll.
Weil er stark ist, hält er sich zurück. Eine Eingangstür am Möbelstück, die Hauptfront eines Bücherregals, die Kochinsel einer Küche: eine einzige, gut platzierte Geste genügt, um den Ton anzugeben. Überall vervielfacht, sättigt er; am richtigen Ort isoliert, wird er zum Ausgangspunkt des Blicks. Es ist ein Akzentmotiv, kein Flächenmotiv.

Der Schlafende Löwe: Kraft in der Ruhe
Der Schlafende Löwe hingegen spricht leiser. Ruhige Linien, Kraft in der Ruhe, eine Sanftheit, die dem Adel nichts nimmt. Er besitzt diese seltene Eigenschaft, ausdrucksstark zu sein, ohne aufdringlich zu wirken: man spürt dieselbe Kraft, nur mit geschlossenen Augen.
Er findet seinen Platz an intimeren Orten: einem Schlafzimmer, einem Ankleidezimmer, einem Möbelstück, das man abends berührt, einem Raum, in dem man eher Ruhe als Glanz sucht. Er ist auch der Löwe, der sich in der Wiederholung besser bewährt: seine Zurückhaltung erlaubt es ihm, sich zu wiederholen, ohne das Auge zu ermüden, während der Brüllende Einzigartigkeit verlangen würde. Wer den Charakter des Löwen liebt, aber die Emphase scheut, wendet sich ihm zu.

Sie miteinander sprechen lassen
Und nichts zwingt Sie zur Wahl. Der Brüllende auf den oberen Türen, der Schlafende auf den unteren Schubladen: die Kraft in der Höhe, die Gelassenheit in Griffweite. Das Möbelstück liest sich dann von oben nach unten wie ein Satz, der sich beruhigt, und die Einheit hält, weil es sich im Grunde um dasselbe Tier handelt.
Genau dieser Logik gehen wir andernorts nach: eine gemeinsame Silhouette, Motive, die variieren. Der Löwe liefert davon die anschaulichste Version, denn die Variation spielt sich hier an ein und demselben Geschöpf ab. Setzen Sie ihn auf die Rundung des Classica Rund oder in den Rahmen des Palazzo Quadrat, und die Stimmung ändert sich erneut: die Form, die ihn aufnimmt, ist Teil seines Ausdrucks.

Sie montieren keinen Griff, Sie wählen eine Haltung für Ihr Interieur.








